Veröffentlicht am 07.06.2017 von
Störche bringen zwar keine Babys, aber sie haben welche

Hilflos sieht das kleine Wesen aus, aus dem einmal ein prächtiger Storch werden soll. Foto: atb

NATUR  |  In Muschenheim sollten gestern die Kleinen beringt werden / Es hat nicht funktioniert

KREIS GIESSEN  |  Störche bringen der Legende nach die Menschen-Babys, doch sie bekommen auch selbst welche. In Muschenheim steht im Gebiet „An der Tuchbleiche“ an der Wetter ein Nest mit Kleinen. Und weil den Muschenheimern, insbesondere dem Naturschutzverein, ihr Meister Adebar am Herzen liegt, sollte der Storchennachwuchs dort am Donnerstagnachmittag beringt werden.

Mit einem Hubwagen mit Korb half die Firma Leschhorn. Vorsichtig wurden die Naturschutzkönigin Elen Schneider und Ornitologe Udo Seum von der Vogelwarte Helgoland in die Nähe des Nestes gefahren. Dort lugten bereits zwei neugierige Schnabelgesichter über die Nestkante hervor. Die Storcheneltern zogen indes beunruhigt ihre Bahnen rund um ihr Heim. Doch die Aktion zog noch weitere neugierige Blicke auf sich. Viele Muschenheimer hatten sich dazugesellt und verfolgten aus der Entfernung, um die Tiere nicht mehr als nötig zu verunsichern, das Geschehen. Ein Spektiv stand zur Verfügung. Das starke „Fernglas“ ermöglichte es den Betrachtern, sogar die Ringnummern an den Beinen der Eltern zu lesen. Die Bewunderung war groß und „Ahs“ und „Ohs“ machten die Runde.

Alles dauerte nur ganz wenige Minuten. Das hatte seinen Grund. Denn als Vogelfachmann Seum und die Naturschutzkönigin von ihrem Ausflug in luftige Höhen zurückkamen, hatten sie zwei Neuigkeiten dabei: „Es liegen noch zwei Eier im Nest“, klärte Seum über das auf, was man auch mit den besten Geräten von unten nicht sehen kann. „Aber die Jungvögel waren zu klein, um schon beringt zu werden“, erklärte er weiter. Sie seien allerdings gesund und gut beieinander.

In zwei Wochen wird die Aktion also nachgeholt. Die Besucher konnten nun trotzdem einiges hören. So zum Beispiel, dass das Beringen der Untersuchung des Flug- und Orientierungsverhaltens der Störche diene. „Wir wissen bis heute nicht, wie es die Jungvögel machen, ohne die Hilfe ihrer Eltern in den Süden zu finden“, erklärte Seum. Es könne mit den Sternen oder mit dem Magnetfeld der Erde zusammenhängen. Was man dank der Beringung aber schon sagen kann: „Der eine der beiden Elternstörche kommt aus Süddeutschland“, sagte Seum. Wenn der Muschenheimer gefiederte Nachwuchs später irgendwann in Erscheinung trete, wolle er den Naturschutzverein benachrichtigen, versprach Seum.

Das Nest war 2014 vom Naturschutzverein errichtet, bisher aber nicht von den Tieren angenommen worden. Insgesamt wachse der Bestand in der Region, so der Fachmann. So habe sich der Bestand im Wetterauskreis seit 1956 um ein Drittel vergrößert.